Schul-Leben

Fakten – Analysen – Kommentare zur Schulentwicklung

Buchbesprechung, erschienen in der Pädagogischen Rundschau Heft 3/2015, S. 313 ff 

Hermann Vortmann

Volker Ladenthin: Wozu religiöse Bildung heute?

Sieben Versuche, an der Endlichkeit zu zweifeln.
Echter Verlag Würzburg. 2014. 237 Seiten. Broschiert 16,80 Euro

Es geht Volker Ladenthin mit diesem engagierten Buch nicht etwa um eine Didaktik des Religionsunterrichts, sondern um mehr und Grundsätzliches, um „die aktuellen Herausforderungen und die uralten Fragen“ (Vorwort), auf die er keine theologischen Antworten geben, sondern auf mögliche Antworten als Pädagoge blicken will. weiterlesen

Dramatischer  Rückgang der Schulform Hauptschule im Kreis Borken

Alles in allem gab es zwischen 1968 und heute 33 Hauptschulen im Kreis Borken, vier davon haben bislang überlebt, zwei in Bocholt, je eine in Gronau und in Stadtlohn. Alle anderen sind entweder bereits ausgelaufen, wenige laufen derzeit noch aus; wenn in der Tabelle „aufgelöst“ vermerkt ist, hat die Schule ihren Betrieb bereits eingestellt. Die weitergeführten Hauptschulen sind überwiegend diejenigen, die als Schwerpunktschulen für die Förderung der Kinder mit Migrationshintergrund arbeiten.  weiterlesen

Am 22. Juni 2018 versammelten sich viele Gäste im Schulzentrum der Stadt Gescher, weil mit Ablauf dieses Monats – am 31. Juli – zwei der dort beheimateten Schulen, die Real- wie auch die Hauptschule, rechtlich und formal gesehen, aufhören zu existieren. – Aber was sind Schulen eigentlich? Die Gebäude? Die Lehrer? Die Schüler? weiterlesen

Wenn man Kinder erzieht (oder bildet oder unterrichtet), ist es gut, wenn man das Ziel kennt, auf das hin erzogen (gebildet, unterrichtet) werden soll. Sonst geht es dem Lehrer so, wie Robert F. Mager es in seinem berühmt-berüchtigten Buch Lernziele und Unterricht (auf Deutsch ab Anfang der siebziger Jahre in mehreren Auflagen im Beltz-Verlag in Weinheim erschienen) ein Seepferdchen hat erleiden lassen: Es landet im Rachen eines Haifisches, weil es keine klare Vorstellung von seinem Ziel hat. Die Quintessenz lautet: „Wer nicht weiß, wo er hin will, darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt.“

Die Geschichte kann man hier nachlesen.

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Das Problem

Die Landesregierung, so hat Ministerpräsident Laschet verkündet, werde sich in Zukunft den Unterrichtsausfall jeder einzelnen Schulen wöchentlich melden lassen. Den Zeitaufwand dafür beziffere man mit wöchentlich einer Stunde – bei 5100 öffentlichen Schulen also 5100 Stunden pro Woche für dieses Vorhaben.

Klar, wenn Unterricht ausfällt, ist das ein Problem. Je nach Umfang, Ursache und Dauer ist das ein komplexes Geschehen. Und die Lösungen, die Schulen dafür finden, sind es ebenso: Da kommt ein Lehrer zur Vertretung, der zwar ein anderes als das ausgefallene Fach, aber immerhin in derselben Klasse unterrichtet; oder es kommt ein Lehrer, der dasselbe Fach unterrichtet, die Klasse aber nicht kennt. Oder die Lehrerin aus der Nachbarklasse muss kurzfristig der verwaisten Klasse eine Aufgabe stellen (und später kontrollieren) und während der Stunde ein Ohr und ein Auge für beide Klassen aufbringen. Oder eine Lehrkraft in Teilzeit (oder Vollzeit) leistet Mehrarbeit, die manchmal auch vergütet wird. Oder der Unterricht fällt an der ganzen Schule aus, weil das Kollegium gemeinsam an einer schulinternen Fortbildung teilnimmt.

Alles das ist nicht schön; und im Wahlkampf hat man immer wieder über den Umfang des ausgefallenen Unterrichts gestritten. Weil alle Themen rund um Schule als Aufreger geeignet sind, hat man viel Energie darauf verwandt, die Stichproben der Vorgängerregierung als unzureichend darzustellen. (Stichproben sind in der Statistik wie in der Wahrscheinlichkeitsrechnung ein anerkanntes Verfahren.)

Nun wird niemand unterstellen wollen oder können, dass Unterricht ausfällt, weil die Lehrer für die fünfte, sechste oder achte Unterrichtsstunde am Tag zu müde oder zu faul sind. Nein, Unterricht fällt aus, weil Lehrer krank sind, weil die Schule unterbesetzt ist, weil Lehrer zur Fortbildung sind oder weil es schlicht dienstliche Aufträge gibt, für die Unterricht geopfert wird – sozusagen Unterrichtsausfall auf Anweisung, zum Beispiel wegen der Bundesjugendspiele.

Das Ziel

Das Ziel kann nur sein, Unterrichtsausfall zu minimieren und Vertretungsunterricht zu optimieren. Dazu gibt es hinreichend gute Modelle, die veröffentlicht sind, die den Schulen auch seit langem dienstlich bekannt gemacht wurden. Darauf zu achten, dass diese Leitlinien auch eingehalten werden, gibt es die staatliche Schulaufsicht. Und eine ganz effektive Schulaufsicht sind die Eltern. Wenn konkrete Schulen bei diesem Thema schludern, können sie gewiss sein, dass Eltern sich melden, wohl auch bei der staatlichen Schulaufsicht. Anders als in früheren Jahrzehnten müssen Eltern bei Unterrichtsausfall unter Umständen ihren (beruflichen) Alltag kurzfristig anders organisieren – wenn das denn überhaupt möglich ist. Schulen mit einem übermäßigen Unterrichtsausfall haben und werden das bei der nächsten Anmelderunde zu spüren bekommen.

Die Lösung

Was also ist zu tun? Sicher, das Zählen erfasst wahrscheinlich die Realität, wenn auch wohl nur annähernd. (Es soll schon vorgekommen sein, dass Schülerzahlen in den amtlichen Statistiken massiv geschönt wurden.) Was fängt man dann aber mit den Zahlen an, wenn man weiß, wie viele Stunden an einer Schule ausgefallen sind – oder an allen Schulen zusammen? Bekommen die Ausreißer mit größerem Ausfall einen Tadel? Oder Hilfe? Wie könnte diese über die bekannten Instrumente hinaus aussehen? Was kann eine Analyse dieser Zahlen zur Lösung des Problems beitragen? Wie sagte der Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hierzu: „Vom Messen wird die Sau nicht fett!“

Das geeignete Mittel besteht darin, für die  verschiedenen Anlässe von Unterrichtsausfall Vertretungslehrkräfte vorrätig zu halten – zentral bei der Schulaufsicht als „Feuerwehr“, wie es das über Jahre an den staatlichen Schulämtern schon gab, und dezentral an den Schulen. Früher nannte man die so vorgesehenen Stellen „Vertretungsreserve“, die den Schulen bei der Personalplanung zugewiesen wurde. Die Lösung muss immer vor Ort gefunden werden, für die einzelne Schule, oft genug ganz unvorhergesehen. Das Wissen um die Zahlen in Düsseldorf hilft nicht.

Für das Zählen will das Land 180 neue Lehrer einstellen, bei der Erstellung des Haushaltes wurden die schon bedacht. Ich finde: Würde man die Lehrer unterrichten statt zählen lassen, hätte man das Problem schon etwas verringert.