Der Ausschuss für Generationen hat sich entschieden.

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Nun ist ein wichtiger Schritt vollzogen: Der Ausschuss für Generationen hat am Dienstag getagt und sich mit großer Mehrheit auf die Errichtung einer Gesamtschule festgelegt. Der Ablauf spiegelte Pragmatismus wider; inhaltliche Diskussionen fanden nicht statt, wohl auch deshalb nicht, weil das Votum der Eltern eindeutig war.
Hier der Text aus der Gescherer Zeitung vom 20. Juni 2012:

Gescher. Gescher marschiert in Richtung Gesamtschule. Zum Schuljahr 2013/2014 soll die neue Schule an den Start gehen. Diese Grundsatzentscheidung fasste der Ausschuss für Generationen gestern Abend mit überwältigender Mehrheit (eine Gegenstimme, eine Enthaltung). Somit unterstützen alle Fraktionen diesen Weg, der die örtliche Schullandschaft einschneidend verändern wird. Mit der Gründung einer Gesamtschule verbunden ist nämlich die Auflösung von Städtischer Realschule und Don-Bosco-Schule zum 31. Juli 2013. Diese Schulformen laufen in den Folgejahren aus.

Im Gegensatz zur Hauptschule hatte die Schulkonferenz der fast 90 Jahre alten Realschule gegen eine Auflösung gestimmt. Schulleiter Heinz Wolberg verwies auf die anerkannte Qualität der Realschule und die Aussage der Bezirksregierung, wonach zum jetzigen Zeitpunkt keine schulrechtliche Notwendigkeit bestehe, die weiterführenden Schulen in Gescher zu verändern. Wolberg listete einige offene Fragen auf und forderte eine ausreichende Ressourcen-Ausstattung für die künftig auslaufenden Schulen am Borkener Damm ein. „Da stehen wir als Schulträger im Wort“, versicherte der Ausschussvorsitzende Ansgar Heming.

 
Nicht die Auflösung der Realschule sei das Ziel, sondern die Fortentwicklung der Schullandschaft, sagte CDU-Sprecher Egbert Kock. Den Status quo hätten die Eltern längst abgewählt. Christian Wellering (SPD) äußerte Verständnis für die Position der Realschule, unterstrich aber auch, dass Gescher die Weichen für die Zukunft stellen müsse. Sollte der Rat am 4. Juli das Votum bestätigen, folgt im Oktober/November das Anmeldeverfahren für die Gesamtschule.
Bericht folgt
Der folgende Text aus der Ausgabe vom 22. Juni 2012 passt auch gut zu dem Thema dieses Blogs.
Gescher. „Das ist ein ziemlich schönes Örtchen, wo Sie hier wohnen.“ Auch wenn der stellvertretende Präsident der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) NRW, Christoph Gusovius, seinen Ausführungen am Mittwochabend vor dem Hauptausschuss dieses Kompliment voranstellte, hatten er und seine Mitarbeiter schwer verdauliche Kost für Geschers Politiker und Bürger mitgebracht. Denn nach eingehender Prüfung der städtischen Finanzen und Investitionen kommen die Fachleute zu dem Schluss: „Die Stadt lebt zurzeit über ihre Verhältnisse.“ „Die Decke ist ein bisschen zu kurz: Wohin ziehen Sie sie? Wollen Sie lieber am Hals oder an den Füßen frieren?“, verpackte Gusovius das gebotene Spardiktat in ein Bild. Mit ihrer Analyse wolle die GPA aufzeigen, wo Gescher im Vergleich mit anderen Kommunen stehe. Und man wolle mit gezielten Vorschlägen Diskussionsprozesse auslösen, wo drastisches Sparen angesagt sei. Denn dass die Haushalte 2009 und 2010 mit Defiziten abschlossen, dass die Fehlbetragsquoten in den letzten zwei Jahren über fünf Prozent lagen und erst ab 2014 positive Abschlüsse geplant seien, monierte GPA-MitPrüferin Christina Vahlenkamp als erstes. Auch bei der Gesamtverschuldung hob sich ihr mahnender Zeigefinger: Gescher liegt bei einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 1980 Euro deutlich über dem kommunalen Mittelwert von 1500 Euro. Ein Wink betraf ferner die Zinsentwicklung: „Mit steigenden Zinssätzen ist zu rechnen; diese Aufwendungen werden dann den Etat weiter belasten.“ Beim städtischen Personal gab die GAP Entwarnung: Die Resourcen seien unterdurchschnittlich. Mit diesem Thema gehe die Stadt „bewusst um“.

Einschneidend dagegen die Empfehlungen zu den Schulen. Schon 2010 habe Gescher in der Hauptschule mit fünf Quadratmetern und in der Realschule mit 5,5 Quadratmetern pro Schüler über dem Flächenverbrauch gelegen, der in den Richtlinien vorgesehen sei. GPA-Mitarbeiter Mindel: „Sie haben für vieles kein Geld. Und der Einstieg in die Schuldenfalle sind Investitionen, die in den sechziger und siebziger Jahren gefeiert wurden. Was davon können Sie erhalten und was bezahlen?“ Kämmerin Sabine Kucharz darauf: „Bei zwanzig Prozent weniger Schülern können wir nicht zwanzig Prozent Fläche von Gebäuden abschneiden oder zwei Klassenräume stilllegen.“ Aber man verstehe die GPA-Hinweise als Anstöße in einer Situation, in der die Ganztagsbetreuung auch in der Pankratius-Grundschule sowie der Grundschule Hochmoor eingeführt und die neue Schulform Gesamtschule auf den Weg gebracht werden sollen. „Dafür brauchen wir Raum.“ Dennoch: Für Hochmoor, wo sich ebenfalls Flächenüberhang abzeichnet, steht die Überlegung an, den alten Schultrakt still zu legen.

Weitere Berichte, Kommentar in unserem Printmedium

 

Wir erinnern uns: Die Verwaltung erstellte für die März-Sitzung des Ausschusses für Generationen eine Vorlage, in der sie für 5,8 Mio. Euro bauen wollte, um die Schüler einer sechszügigen Gesamtschule unterzubringen. Dass Raumreserven in nennenswertem Umfang da sind, wurde mit keinem Wort erwähnt. Wer sich an die Frühzeit des Schulzentrums erinnert: Die Hauptschule allein war schon in manchen Jahren siebenzügig, dazu eine Realschule, die neben den Gescherer Kindern auch noch viele aus Hochmoor und Velen bediente.