Interessantes aus dem Bildungsbericht für den Kreis Borken

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Bildungsbericht 2014 für den Kreis Borken

Nach 2011 ist nun wieder ein Bildungsbericht für den Kreis Borken erschienen. Leider ist er nicht ganz aktuell, denn er verwertet in vielen Angaben als letzte Zahlen die Amtliche Schulstatistik von 2012 – schade deshalb, weil  der Umbruch in der Sekundarstufe I im Kreis Borken erst 2013 so richtig in Fahrt kam.

Durchlässigkeit im gegliederten Schulsystem – Eine Halbwahrheit ist auch eine Lüge

Die Verfechter des in der Sekundarstufe gegliederten Schulwesens tragen immer wieder vor, dass dieses System durchlässig sei, dass es jedem Schüler lange den Weg zu jedem Schulabschluss offen halte – jeder Hauptschüler könne grundsätzlich zum Abitur gelangen. – Auf dem Papier ist diese Aussage zutreffend, dummerweise fühlt sich die Wirklichkeit nicht ans Papier gebunden.

Schulformenwechsel in den Klassenstufen 7 bis 9 im Kreis Borken im Schuljahr 2012/13

Nach der Amtlichen Schulstatistik haben im vergangenen Schuljahr von Hauptschulen an Realschulen 8 Schülerinnen und Schüler gewechselt, von einer Hauptschule an ein Gymnasium hat es niemand geschafft. Von einer Realschule ans Gymnasium gelangten immerhin 4 Schülerinnen und Schüler, wohlgemerkt in den Klassen 7 bis 9, in den Klassen 5 und 6 sowie in der Abschlussklasse 10 ist ein Wechsel grundsätzlich ausgeschlossen. Jeder dieser Wechsel ist ein Erfolg für das betroffene Kind und wird als solcher von der Familie, von den Freunden, den Verwandten und Nachbarn wahrgenommen.
Und umgekehrt? Nun, da schickten die Realschulen 249 Schülerinnen und Schüler zu den Hauptschulen, die Gymnasien immerhin 122 zu den Realschulen und 9 zu den Hauptschulen. Jeder dieser Wechsel ist ein Misserfolg für das betroffene Kind und wird als solcher von der Familie, von den Freunden, den Verwandten und Nachbarn wahrgenommen.
Mit anderen Worten: Fast 400 Kinder und Jugendliche haben allein im Kreis Borken einen dramatischen Bruch in ihrer Schullaufbahn und ihrer Biografie erlebt, weil die Schulen der Schulformen Realschule oder Gymnasium sie zwar aufgenommen hatten, aber dann nicht fördern konnten. Das Leid ist nicht nur die Erfahrung dieser für viele beschämenden „Abschulung“, sondern auch schon eine lange Zeit von Misserfolg, schlechten Noten und Freizeitminimierung durch privaten Nachhilfeunterricht, von Konflikten mit den Eltern, von Minderung des Selbstwertgefühls.
Die Durchlässigkeit im gegliederten Schulwesen funktioniert also fast ausschließlich von „oben“ (Realschule, Gymnasium) nach „unten“ (Hauptschule), fast gar nicht von „unten“ nach „oben“.
Derselben Quelle zufolge wechselten 1.407 (97,5 %) Schülerinnen und Schüler aus der Sekundarstufe I des Gymnasiums in die Oberstufe der Schulform. Also auch hier nur wenige aus der Hauptschule (14) bzw. Realschule (169).

Übergangsquoten von den Grundschulen in die 5. Klasse – Noch eine Mogelpackung

Schaut man sich die Übergangsquoten von der Grundschule in die verschiedenen Schulformen der Sekundarstufe I an, stutzt man: 22,7 % der Viertklässler sollen in eine Hauptschule wechseln? In Heek sogar 56,4 %, in Schöppingen 51,3%, In Isselburg, Legden und Raesfeld ähnlich hohe Werte? Die Fußnote klärt uns auf: Die erwähnten Kommunen haben gar keine Hauptschule mehr, sie haben Verbundschulen, die einen Hauptschul- und einen Realschulzweig enthalten. Die Statistik zählt von diesen Schulen nicht nur die Schüler des Hauptschulzweiges, sondern auch die des Realschulzweiges zu den Hauptschülern. So malt man sich die Welt zurecht.

 

Von den Kommunen mit Hauptschulen hatten nur noch Stadtlohn und Südlohn Quoten von über 20 % (23,9 bzw. 23,5 Prozent). Alle anderen lagen von 20 % (Gescher) bis hinunter zu 15,1 % (Vreden). Dies, bevor andere Schulformen hier etabliert wurden. Im Folgejahr ging bekanntlich kein Kind aus einer Grundschule in Gescher in eine Hauptschule – was ja in Stadtlohn oder Coesfeld ohne weiteres möglich gewesen wäre. Die Quote sank hier also auf 0 %. Die Gesamtschul- und Sekundarschulgründungen an etlichen weiteren Standorten im Kreis Borken dürften im laufenden Jahr die durchschnittliche Übergangsquote trotz der Beuteschüler aus den Verbundschulen auf unter 20 % senken.