Es gab in Deutschland Wernher-von-Braun-Schulen

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In Deutschland keine Schule mehr mit dem Namen des Wernher von Braun

Richtig – es gab sie, heute gibt es nämlich keine mehr. 2014 legte die letzte, die Wernher-von-Braun-Schule im hessischen Neuhof,  diesen Namen ab. „Das NSDAP-Mitglied sei ‚kein geeignetes Vorbild‘ für die Schüler.“ So leitete die Zeitung Der Westen mit einem Zitat des Schulleiters ihren Bericht hierzu ein. Die Schule ist jetzt nach dem Astronomen und Theologen Johannes Kepler benannt.
Und die Süddeutsche Zeitung schreibt zum ehemaligen Wernher-von-Braun-Gymnasium in Friedberg bei Augsburg: „Wernher von Braun hat während des NS-Regimes Schuld auf sich geladen. Doch die Diskussion über die Umbenennung einer Schule in Friedberg dauerte Jahre. Nun distanziert sich der Gymnasiums-Direktor von dem SS-Sturmbannführer und ein neuer Name steht fest.“ Dieser Artikel ist im Dezember 2013 erschienen.

So beginnt ein Kommentar in der Süddeutschen Zeitung, den zu lesen sich lohnt.

Von Braun-Straßen gab es auch, es gibt immer noch ein paar.

Von-Braun-Straßen wurden natürlich auch umbenannt, in Memmingen, in Fürstenfeldbruck, in Neuhof und weitere. (In Gescher noch nicht.) In diesem Blog haben wir aber das Thema Schule – und so ist interessant zu lesen, was Gymnasiasten aus Bersenbrück unternommen und herausbekommen haben.
Der Stadtrat von Bersenbrück hatte Schüler des örtlichen Gymnasiums gebeten, der Frage nachzugehen, ob der Name des Wernher von Braun für eine Straße tragbar sei. Hier das Ergebnis der Schüler, von dem die Osnabrücker Zeitung berichtet:

„Und die machten ihre Sache gründlich, berichten sie zusammen mit ihrer Lehrerin Gabriele Prell-Grossarth. Sie teilten sich in Gruppen auf, durchleuchteten die Biografie des umstrittenen Ingenieurs Abschnitt für Abschnitt. […]
Raketen waren seine ganze Leidenschaft. Schon als 13-Jähriger experimentierte der in Posen geborene Wernher von Braun mit ihnen, fanden die Schüler heraus. 1932 beendete er sein Ingenieurstudium in Berlin, promovierte 1934 über Raketentechnik. 1938 trat er der NSDAP bei, 1940 sogar der SS. Geschah das, weil er anders seine Forschung nicht hätte fortführen können, wie er nach dem Krieg erklärte?
Die Schüler finden das Bild eines eiskalten Opportunisten, dem der politische Fahnenwechsel leichtfiel. „Mein Land hat zwei Weltkriege verloren. Diesmal möchte ich auf der Seite der Sieger stehen“, soll er zu seinem Wechsel in die USA nach Kriegsende gesagt haben.
Für die Amerikaner waren moralische Fragen ebenfalls zweitrangig, sie wollten seine einzigartigen Kenntnisse im Raketenbau. Von Braun half beim Bau interkontinentaler Atomraketen und bei der Entwicklung der Saturn-Trägerraketen, die die Mondmissionen der Sechziger- und frühen Siebzigerjahre ins All brachten. Sein Wissen hatte er großenteils in der Nazi-Forschungsstation Peenemünde erworben bei der Entwicklung der Rakete V2. Ihr Einsatz gegen Kriegsende kostet nicht nur Tausende von Menschen das Leben. Gebaut wurde sie von KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen aus dem Lager Dora-Mittelbau. Von 60000 Insassen kamen 20000 zu Tode. Einmal soll von Braun sogar selbst im Konzentrationslager Buchenwald Häftlinge als Arbeiter für die Raketenwerke ausgesucht haben. Unwahrscheinlich, dass er vom menschenverachtenden Umgang mit den Zwangsarbeitern nichts oder kaum etwas mitbekommen hat.“

 

Gescher könnte den eigenen Entscheidungsprozess beschleunigen.

Die Diskussion in den städtischen Gremien  Geschers und die mittlerweile etwas komplexe Beratungsfolge mit hoch komplexer Beschlusslage will ich hier nicht weiter beschreiben, erst recht nicht bewerten. Aber bekannt ist, dass der Bezirksausschuss Hochmoor die Gesamtschule Gescher „beauftragt“ hat, solche Recherchen anzustellen, wie die Bersenbrücker Schüler es taten. Nach einem Jahr (!) will man sich mit dem Ergebnis befassen.
Wäre es nicht einfacher, man würde sich die Ergebnisse der Schüler aus Bersenbrück einfach mal schicken lassen? Das ging doch viel schneller. Und nach nunmehr einem halben Jahr seit Stellung des Bürgerantrags käme das Thema vom Tisch, jedes Gescheraner Ratsmitglied kann sich in sechs Monaten eine begründete Meinung bilden und die zugehörige Entscheidung fällen. Daran glaub ich ganz fest.